Zum Hauptinhalt springen

Forschen Sie mit!

Wir laden Sie herzlich zur Mitarbeit in unserem Forschungsprojekt ein!

Archäologie ist eine faszinierende Wissenschaft – und zwar nicht nur für die akademische Forschung. Im Gegenteil: Seit den Anfängen der Disziplin wurden von begeisterten Personen, die wir heute als Citizen Scientists bezeichnen würden, nicht nur zahlreiche Fundstellen und Funde entdeckt. In vielen Fällen waren sie auch federführend an der wissenschaftlichen Publikation und Auswertung beteiligt. Diese Tradition greifen wir im Projekt „reCLAYm“ wieder auf.

Erfahrung sammeln, Wissen weitergeben

Citizen Scientists übernehmen in reCLAYm eine aktive Rolle im Forschungsprozess. Nach einer fachlichen Einführung arbeiten sie gemeinsam mit dem wissenschaftlichen Team an konkreten Fragestellungen und erhalten Einblicke in unterschiedliche Bereiche archäologischer Forschung.

Die Mitarbeit umfasst unter anderem:

  • die Dokumentation und Beschreibung von Keramikfunden,
  • die Erfassung und Auswertung von Forschungsdaten,
  • die Entnahme und Beprobung von Sedimentbohrkernen
  • die Mitarbeit bei naturwissenschaftlichen Untersuchungen,
  • die Rekonstruktion frühneolithischer Keramikgefäße,
  • die Diskussion und Interpretation der Ergebnisse,
  • die Präsentation wissenschaftlicher Erkenntnisse im Rahmen von Workshops und Projektveranstaltungen.

Vorkenntnisse in Archäologie sind dabei nicht zwingend erforderlich. Entscheidend sind Interesse an wissenschaftlicher Arbeit, die Bereitschaft zum Lernen und die Freude an der gemeinsamen Erforschung vergangener Gesellschaften.

Bei welchen Aktivitäten kann ich mitarbeiten?

Team Fundmaterial

Arbeitsort: Hainburg an der Donau
Zeitraum: 2027–2028

Gemeinsam übernehmen wir folgende Tätigkeiten:

  • Sichtung und Sortierung der Funde
  • Reinigung und Kleben
  • Erfassung in einer Datenbank
  • Fotografieren und Zeichnen der Funde
  • Statistische Auswertung und Kartierung
  • Literaturrecherche
  • Diskussion und Interpretation

Voraussetzungen: Sorgfalt und die Fähigkeit, fünf Stunden am Stück konzentriert arbeiten zu können.

Mehr über das Team Fundmaterial

Die gemeinsame Auswertung der Keramikfunde bildet die Grundlage für zahlreiche weitere Forschungen zu Asparn/Schletz. Sie ermöglicht die zeitliche Einordnung einzelner Häuser, die Rekonstruktion der über mehrere Jahrhunderte verlaufenden Entwicklung der Siedlung sowie die Analyse sozialer Beziehungen und Kontaktnetze anhand von Keramikstilen und Verzierungen.

Die Verzierungen und die Formen der Keramikfunde von Asparn/Schletz sind besonders vielfältig. Aufgrund der großen Anzahl der Funde kann ihre Bearbeitung nur in einem großen Team erfolgen.

Team Tonlagerstätten

Arbeitsorte: Bezirk Mistelbach und Naturhistorisches Museum Wien
Zeitraum: 2027–2028

Gemeinsam übernehmen wir folgende Tätigkeiten:

  • Entnahme von Sedimentbohrkernen
  • Beprobung und Dokumentation der Bohrkerne
  • Kartierung der Bohrpunkte
  • Aufbereitung der Sedimentproben für die Analyse mit portabler Röntgenfluoreszenzanalyse (pRFA)

Voraussetzungen: Bereitschaft zur Arbeit im Freien bei jeder Witterung, etwa sechs bis acht Stunden am Stück mit Mittagspause. Erforderlich sind körperliche Fitness und die Fähigkeit, gemeinsam mit anderen Personen schwere Gegenstände zu tragen und zu heben. Ebenso wichtig sind Sorgfalt, Geduld und Freude daran, neue Arbeitstechniken zu erlernen und eigenes Wissen zu teilen.

Mehr über das Team Tonlagerstätten

Zusammen mit den Citizen Scientists untersucht reCLAYm nicht nur die Keramik selbst, sondern macht sich auch auf die Suche nach den möglichen Tonquellen, die für ihre Herstellung genutzt wurden. Dazu werden Bodenkarten studiert und mit Expertinnen und Experten für Bodenkunde und Geologie Geländebegehungen und Surveys durchgeführt, um mögliche Tonlagerstätten im Umkreis von Asparn/Schletz zu identifizieren.

Anschließend werden an diesen Verdachtsflächen Bohrungen durchgeführt, um Sedimentbohrkerne zu entnehmen und diese zu beproben. Auch aus dem Siedlungsgebiet der Linearbandkeramischen Kultur (LBK) selbst werden Proben entnommen. Diese Sedimentproben werden dann genauso wie die Keramikfunde aus Asparn/Schletz mit der pRFA auf ihre chemische Zusammensetzung hin untersucht.

In der Folge werden die pRFA-Messergebnisse der Keramikfunde und der Sedimentproben von potenziellen Tonlagerstätten miteinander verglichen. Ähnlichkeiten in der chemischen Zusammensetzung können darauf hindeuten, dass die betreffende Keramik aus dem untersuchten lokalen Ton hergestellt wurde. Mit diesem Ansatz möchte reCLAYm untersuchen, ob der Ton für die Keramik aus Asparn/Schletz aus lokalen Rohstoffquellen stammt und ob sich diese Tonlagerstätten identifizieren lassen.

Die Ergebnisse helfen dabei, handwerkliche Abläufe und Handelsnetzwerke der frühneolithischen Bewohner von Asparn/Schletz besser zu verstehen. Die Analysen können Informationen dazu liefern, welche Keramik lokal hergestellt und welche importiert wurde oder ob bestimmte Tonquellen nur für bestimmte Keramiktypen verwendet wurden.

Citizen Scientists werden in den gesamten Prozess der Beprobungen und Analysen eingebunden. Sie helfen aktiv bei den Bohrungen, der Beprobung und Dokumentation der Bohrkerne sowie bei der Probenaufbereitung und den pRFA-Messungen mit.

Team Archäometrie

Arbeitsort: Naturhistorisches Museum Wien
Zeitraum: 2027–2029

Gemeinsam übernehmen wir folgende Tätigkeiten:

  • Aufbereitung von Keramikfunden und Hüttenlehm für die Analyse mit portabler Röntgenfluoreszenzanalyse (pRFA)
  • Durchführung von pRFA-Messungen an Funden und Sedimentproben
  • Interpretation und Vergleich der Messdaten

Umfang: Etwa 50 Proben pro teilnehmender Person.

Voraussetzungen: Eine ruhige Hand und die Fähigkeit, fünf Stunden am Stück konzentriert arbeiten zu können. Da bei der pRFA mit Röntgenstrahlung gearbeitet wird, ist die Teilnahme an entsprechenden Schulungen erforderlich.

Hinweis zur Teilnahme: Aus rechtlichen Gründen dürfen schwangere Personen nicht mit pRFA arbeiten.

Mehr über das Team Archäometrie

Ein wichtiger Bestandteil von reCLAYm sind naturwissenschaftliche Untersuchungen der Keramikfunde. Ergänzend zu typologischen Analysen kommt dabei die portable Röntgenfluoreszenzanalyse (pRFA) zum Einsatz.

Diese Methode ermöglicht eine zerstörungsfreie Bestimmung der chemischen Zusammensetzung von Objekten beziehungsweise Materialien und eröffnet neue Perspektiven für die Erforschung von Rohstoffbeschaffung, Gefäßproduktion sowie Material- und Wissenstransfer im frühen Neolithikum. Die pRFA hat sich vor allem im vergangenen Jahrzehnt zu einem etablierten Werkzeug der archäometrischen Forschung entwickelt und wird weltweit zunehmend zur Analyse archäologischer Materialien eingesetzt.

Trotz ihrer breiten Anwendung bestehen weiterhin methodische Herausforderungen. Insbesondere fehlen bislang allgemein akzeptierte Standards für die praktische Umsetzung der Messungen sowie für die Prüfung der Datenqualität und die Datenauswertung. Gleichzeitig wurde das Potenzial von Citizen Science in pRFA-basierten Forschungsprojekten bisher kaum untersucht.

reCLAYm greift diese Forschungslücke auf. Das Projekt entwickelt und erprobt Arbeitsabläufe, in denen Citizen Scientists nicht nur an der Dokumentation und Probenvorbereitung beteiligt sind, sondern auch an Datenerhebung, Auswertung und Interpretation mitwirken. Damit wird erstmals untersucht, wie sich naturwissenschaftliche Analysen und partizipative Forschung sinnvoll miteinander verbinden lassen.

Team Experimentelle Archäologie

Arbeitsort: MAMUZ Schloss Asparn/Zaya
Zeitraum: 2027–2028

Gemeinsam übernehmen wir folgende Tätigkeiten:

  • Gewinnung von Tonmaterial
  • Diskussion der Herstellungsspuren an den Originalfunden gemeinsam mit erfahrenen Töpferinnen und Töpfern
  • Experimentalarchäologische Herstellung von Keramikgefäßen
Mehr über das Team Experimentelle Archäologie

Ein besonderer Schwerpunkt von reCLAYm liegt auf dem Austausch zwischen akademischer Forschung und praktischem Fachwissen. Erfahrene Töpferinnen und Töpfer, Restauratorinnen und Restauratoren sowie Akteurinnen und Akteure der experimentellen Archäologie bringen wertvolle Perspektiven in das Projekt ein. Erste Kontakte zu erfahrenen Töpferinnen und Töpfern bestehen bereits.

Durch die gemeinsame Betrachtung archäologischer Originalfunde können Herstellungsprozesse, technische Entscheidungen und handwerkliche Herausforderungen besser nachvollzogen werden. Dieses Erfahrungswissen ergänzt archäologische und naturwissenschaftliche Analysen und eröffnet oftmals neue Interpretationsmöglichkeiten.

Im MAMUZ Schloss Asparn/Zaya werden wir gemeinsam versuchen, die Keramik der Linearbandkeramischen Kultur nachzutöpfern.

Präsentation und Vermittlung

Gemeinsam machen wir das Projekt und seine Ergebnisse öffentlich sichtbar. Sie können sich bei folgenden Tätigkeiten einbringen:

  • Newsbeiträge für die Website verfassen
  • Das Projekt auf Veranstaltungen präsentieren
  • Projektergebnisse vorstellen
Mehr über Präsentation und Vermittlung

Wir möchten das Projekt und die Leistung der Citizen Scientists auch für die Öffentlichkeit sichtbar machen. Dazu werden wir das Projekt auf Museums- und Forschungsevents präsentieren. Auch auf unserer Website möchten wir regelmäßig über unsere Aktivitäten berichtet. Falls eine im Projekt tätige Person diese mit uns betreuen und News-Artikel verfassen möchte, würde uns das sehr freuen. Auch andere Kommunikationskanäle sind vorstellbar.

Für das Ende des Projekts planen wir eine Veranstaltung, bei der die Citizen Scientists über ihre Erkenntnisse berichten können

Zeitlicher Umfang der Mitarbeit: Da die Tätigkeiten eine gewisse Einarbeitungszeit erfordern, ist es nötig, dass Sie bereit sind, insgesamt mindestens zehn Tage im Projekt aktiv zu sein.

Wie kann ich mich für die Teilnahme anmelden?

Bitte melden Sie sich über unser Registrierungsformular zur Mitarbeit im Projekt an.

Alternativ können Sie eine E-Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. schreiben. Wir melden uns anschließend bei Ihnen und bitten Sie um die für die Anmeldung erforderlichen Angaben. Bitte beachten Sie unsere Datenschutzerklärung.

Häufige Fragen

Was ist die Fundstelle Asparn/Schletz und warum ist sie so wichtig?

Im Mittelpunkt des Projekts steht die berühmte Fundstelle Asparn/Schletz im niederösterreichischen Weinviertel. Die Siedlung gehört zur Linearbandkeramischen Kultur (LBK) und entstand vor etwa 7.000 Jahren während der Frühphase bäuerlicher Lebensweisen in Mitteleuropa. Diese Phase wird auch als Frühneolithikum bezeichnet.

Asparn/Schletz zählt heute zu den wichtigsten Referenzfundstellen des europäischen Frühneolithikums. Die Fundstelle wurde zwischen 1983 und 2005 durch großflächige archäologische Ausgrabungen untersucht, bei denen sehr umfangreiches Fundmaterial entdeckt wurde. Dieses liefert die Basis für detaillierte Einblicke in Siedlungsstrukturen, wirtschaftliche Organisation und soziale Beziehungen der ersten Bauern Mitteleuropas.

Besonders bekannt wurde die Fundstelle durch Befunde, die Hinweise auf gewaltsame Konflikte und tiefgreifende gesellschaftliche Umbrüche liefern. Damit berührt sie zentrale Forschungsfragen zu Krisen und Transformationsprozessen im frühen Neolithikum.

Auch das Weinviertel selbst bildet einen herausragenden Forschungsraum. Die fruchtbaren Lösslandschaften der Region gehörten zu den frühesten und dichtesten Siedlungsgebieten der bandkeramischen Kultur. Zahlreiche Fundstellen erlauben es, lokale Entwicklungen mit regionalen und überregionalen Prozessen zu vergleichen und die Einbindung einzelner Gemeinschaften in größere soziale Netzwerke nachzuvollziehen.

Die umfangreichen Keramikfunde aus Asparn/Schletz bieten hierfür eine einzigartige Datengrundlage. Sie ermöglichen Untersuchungen zu Chronologie, Technologie, sozialer Organisation und kulturellen Verflechtungen innerhalb und außerhalb der Siedlung.

Wo findet die Arbeit statt?
  • Landessammlungen Niederösterreich – Archäologisches Zentraldepot Hainburg (AZH): Kulturplatz 1, 2410 Hainburg an der Donau. In Bahnhofsnähe und öffentlich gut erreichbar.
  • MAMUZ Schloss Asparn/Zaya: Schlossgasse 1, 2151 Asparn an der Zaya.
  • Naturhistorisches Museum Wien
  • Bezirk Mistelbach: Geoarchäologische Feldarbeit mit Bohrungen zur Gewinnung von Sedimentproben.
An wen richtet sich die Einladung?

Die Einladung richtet sich an alle Personen mit Freude und Interesse am Fach Archäologie und der Bereitschaft, an den genannten Tätigkeiten intensiv mitzuarbeiten.

Vorerfahrung ist keine Voraussetzung. Damit wir für die unterschiedlichen Arbeitspakete passende Teams zusammenstellen können, bitten wir Sie jedoch, vorhandene Kenntnisse und Interessen bei der Registrierung anzugeben.

Welche Versicherung brauche ich?

Alle teilnehmenden Personen sind verpflichtet, selbst für ihre Versicherungen, beispielsweise eine Unfallversicherung, Sorge zu tragen.

Wie werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt?

Wir legen großen Wert auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Citizen Scientists bzw. auf ein gutes Betreuungsverhältnis. Es kann daher nur eine begrenzte Anzahl von Personen an den Forschungen teilnehmen.

Falls der Fall eintreten sollte, dass zu viele Personen im Projekt mitarbeiten wollen, versuchen wir, auf Basis der vorhandenen Daten (Zeitpunkt der Bewerbung, Anreiselogistik, Verfügbarkeit, individuelle Expertisen, ausgewogene Zusammensetzung von Personen mit und ohne Vorerfahrung etc.) eine möglichst faire Auswahl zu treffen.

Zeitplan und Termine

Am Dienstag, 19.01.2027, findet in Hainburg ein erster Eröffnungsworkshop statt. Die eingeladenen Citizen Scientists werden rechtzeitig informiert. Die weiteren Termine der Zusammenarbeit werden individuell vereinbart. Da manche Tätigkeiten erst zu einem späteren Zeitpunkt beginnen, kann es sein, dass Sie erst später im Projektverlauf kontaktiert werden.

Das „Team Fundmaterial“ wird voraussichtlich überwiegend in der ersten Wochenhälfte (Montag bis Mittwoch) tätig sein.

Bekomme ich eine Aufwandsentschädigung für die Mitarbeit im Projekt?

Wir verwalten ein begrenztes Budget für Lebensmittel sowie für Zuschüsse zu den Anreisekosten von Citizen Scientists.